ReadSpeaker, Screenreader und Sprach-Steuerung – ein Überblick

Vorleseprogramme, Bildschirmausgabe, Sprach-Steuerung: Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln für unterschiedliche Zwecke. In diesem Blogpost erkläre ich die Unterschiede.

Ein wichtiger Grundsatz bei der digitalen Barrierefreiheit ist das Zwei-Sinne-Prinzip. Alle Informationen sollen für mindestens zwei Sinne verfügbar sein. Für gesprochene Inhalte in einem Video gibt es Untertitel, für Podcasts Transkriptionen. Bilder mit visueller Information haben einen Alternativtext, Videos sind mit Audiodeskriptionen ergänzt. Diese Liste zeigt: Viele dieser Alternativen, um einen anderen Sinn anzusprechen, basieren auf Text.

Vorlesefunktion «ReadSpeaker»

Unsere Schriftsprache ist aber nicht für alle zugänglich. Meine Mutter zum Beispiel hat nie erfolgreich einen Alphabetisierungskurs besucht. Sie lebt seit 45 Jahren in der Schweiz und schlägt sich mündlich durch, kann aber in der deutschen Sprache weder lesen noch schreiben. Neben der Migration gibt es auch andere Gründe, warum jemand nicht lesen kann, sich ansonsten mündlich aber gut ausdrückt und alles Gesagte auch versteht.

Für diese Menschen ist eine Vorlesefunktion, wie der «ReadSpeaker» sie anbietet, eine gute Option. Per Mausklick können Leser meines Blogs sich die Inhalte laut vorlesen lassen. ReadSpeaker hebt die Wörter dabei farblich hervor, damit Nutzer dem Text leichter folgen können. Der ReadSpeaker funktioniert web- und browserbasiert. Leserinnen müssen keine zusätzliche Software installieren.

Nach WCAG ist eine solche Vorlesefunktion nicht vorgeschrieben – sie ist also kein Muss, sondern ein Nice-to-have.

Bildschirmvorleseprogramm Screenreader

Der Screenreader ist ein Bildschirmvorleseprogramm und ist auf dem Computer oder mobilen Gerät des Users installiert. Während der ReadSpeaker nur die Inhalte jener Website vorliest, auf der er installiert ist, liest der Screenreader alle Inhalte des Bildschirms vor. Wobei das zu einfach formuliert ist, denn der Screenreader gibt die Inhalte nicht nur aus, sondern erlaubt es dem Benutzer, mit dem Betriebssytem, den Programmen oder den Inhalten zu interagieren.

Es sind blinde oder sehbehinderte Menschen, die einen Screenreader nutzen. Weil blinde und sehbehinderte Menschen mit dem Screenreader bereits so ein mächtiges Hilfsmittel zur Verfügung haben, nutzen diese keine integrierten Vorlesefunktionen auf einer Website.

Damit ein Screenreader richtig funktioniert, müssen Websites, Applikationen und Dokumente auf Code- und Strukturebene korrekt umgesetzt sein. Sehende Menschen erkennen zum Beispiel auf einer Website rasch, ob ein Text eine Überschrift ist. Visuelle Hinweise wie grosse Schrift, Farben oder Anordnung der Elemente unterstützen uns dabei, Inhalte richtig zu interpretieren. Diese visuellen Informationen fehlen blinden Usern. Damit Screenreader-Nutzende erfahren, wie die Informationen zueinander stehen, müssen Inhalte mit semantischen Informationen versehen sein. Überschriften zum Beispiel müssen als solche ausgezeichnet sein, Formularfelder müssen auf Code-Ebene mit der dazugehörigen Beschriftung verknüpft sein, Schalter müssen eine Beschriftung haben. Nur so wissen Screenreader-Nutzende, um was für ein Element es sich handelt und wie sie damit interagieren können.

Sprachsteuerung und Sprachassistenten

Als Siri zum ersten Mal auf einem iPhone verfügbar war, war es sowohl beeindruckend, als auch ernüchternd. Beeindruckend, weil ein Smartphone gesprochene Befehle verarbeiten konnte. Ernüchternd, weil die Erkennung der gesprochenen Befehle nicht zuverlässig funktionierte. Dies hat sich unterdessen geändert und die Verarbeitung der Sprache funktioniert sehr zuverlässig.

Heute lassen sich Smartphone, Computer, TV-Geräte, Autos und in Verbindung mit dem Smartphone ein ganzes Zuhause mittels Sprache steuern. Meine dreijährige Tochter liebt es, mithilfe von Siri Lampen und Lautsprecher zu steuern. «Siri, play CocoMelon on Apple Music in the dining room», höre ich sie zum Beispiel regelmässig sagen.

Sprachsteuerung hilft auch Menschen mit Behinderungen. So können zum Beispiel Menschen mit körperlichen Behinderungen digitale Geräte und Smart-Home-Geräte mit der Stimme steuern, ohne dafür Maus, Tastatur oder Touchscreen nutzen zu müssen.

Fazit

Die neuen Technologien wie Vorlesefunktionen, Screenreader und Sprachsteuerung fördern die digitale Barrierefreiheit. Diese Funktionen und Hilfsmittel haben unterschiedliche Ziel- und Nutzergruppen. Die Vielfalt dieser Hilfsmittel zeigen, wie unterschiedlich die individuellen Anforderungen sein können, wenn es um Barrierefreiheit geht. Die Herausforderung besteht darin, digitale Inhalte und Angebote so zu erstellen, dass sie mit unterschiedlichen Hilfsmitteln problemlos genutzt werden können.

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